Die Türkei kommt nicht aus den Schlagzeilen.

ISIS, Putschversuch, Ausnahmezustand, Terror:

Wie sicher ist es in der Türkei?

Tausende Leser informieren sich monatlich dazu in meinem Beitrag „Reisewarnung Türkei 2016 – Ist mein Urlaub sicher?“.

Ich erhalte täglich E-Mails mit Fragen wie „Ist die Türkei vor ISIS, der PKK, dem Bürgerkrieg in Syrien sicher?

Und was ist mit dem Ausnahmezustand?

Wegen den vielen Nachrichten habe ich mich entschlossen, eine ausführliche Antwort auf diese Fragen zu schreiben.

Ist es möglich verbindliche Antworten zur Sicherheitslage in der Türkei zu geben?

Bisher ist in den Touristenorten an der türkischen Südküste nichts passiert. Als einziges bekanntes Tourismusziel ist bisher Istanbul getroffen worden. Und das leider durch mehrere Anschläge.

Wie schnell sich die Situation ändern kann, zeigen die Anschläge von 2015 in einem Hotel in Tunesien und das im Herbst abgestürzte russische Flugzeug in Ägypten.

In Tunesien war es nicht der erste Anschlag. In Ägypten ist die Bombe unerwartet gekommen. Die Unberechenbarkeit macht leider das Thema Terroranschlag aus.

Ich kann nicht sagen, dass nichts in der Türkei passieren wird. Das wäre nicht realistisch.

Das kann dir niemand bestätigen. Es kann dir auch niemand bestätigen, dass in Deutschland niemals ein Anschlag stattfinden wird.

Kann die Frage überhaupt beantwortet werden?

Die besten Quellen zur Sicherheitslage in der Türkei sind die Einschätzungen des Auswärtigen Amtes in Deutschland und vergleichbaren Regierungsstellen in anderen EU Ländern.

Das Auswärtige Amt warnt davor sich in der Türkei in die Nähe von großen Menschenansammlungen zu begeben. Das können zum Beispiel Demonstrationen, öffentliche Verkehrsmittel und Sehenswürdigkeiten sein.

Die Sicherheitsstufe des österreichischen Außenamtes für die Türkei wird derzeit auf der sechsstufigen Skala mit einer „Drei“ angegeben. Die selbe Warnstufe gilt zum Beispiel für Israel. Frankreich wird mit einer „Zwei“ eingeschätzt.

Die Chance zum Opfer eines Terroranschlages zu werden

Die Türkei lebt seit Jahrzehnten mit tödlichen Terroranschlägen verschiedenster Gruppierungen. Sie sind unter dem Deckmantel unterschiedlicher Ideologien verübt worden. Der islamistische IS ist im Vergleich zur Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) und anderen links- oder rechtsradikalen Terrorgruppierungen in der Türkei neu.

Es gibt also verschiedene Terrororganisationen in der Türkei. Das hilft auf der Suche nach einer Antwort nicht sonderlich viel weiter. Das bedeutet nur, dass die Lage unübersichtlicher ist.

Ich habe nach Statistiken gesucht

Die letzen Absätze machen für die Zukunft keine große Hoffnung. Deswegen finde ich Statistiken mit Zahlen zur Wahrscheinlichkeit zum Opfer eines Terroranschlages zu werden gut. Sie bringen Optimismus in die Sache.

Ich habe verschiedene Quellen gefunden, die davon schreiben, dass die Chance durch einen Terroranschlag zu sterben 1 zu 20.000.000 beträgt.

Folgende Todesursachen sind wahrscheinlicher als durch einen Terroranschlag zu sterben:

  • Blitzschlag: (1 zu 10.000.000) Ja! Es ist wahrscheinlicher von einem Blitz getroffen zu werden und daran zu sterben.
  • Hunde: (1 zu 11.000.000)
  • Erfrieren: (1 zu 500.000)
  • Spazieren gehen: (1 zu 55.000)
  • Eine Treppe hinunter fallen: (1 zu 150.000)

Es ist wahrscheinlicher durch einen Terroranschlag zu sterben als,

  • durch den Einschlag eines Asteroiden:  (1 zu 75.000.000)
  • durch einen Feuerwerkskörper: (1 zu 50.000.000)

Dazu gibt es eine wunderbare Grafik.

(Es ist übrigens wahrscheinlicher in einer Badewanne zu ertrinken, von einem Getränkeautomaten erschlagen zu werden oder sich beim Heimwerken aus Versehen selbst zu töten.)

In der Türkei gibt es aber Gegenden in denen es wirklich gefährlich ist!

Ja! Du hast recht. Gefährlich ist die Grenze zu Syrien. Gefährlich sind die umliegenden Provinzen zu Syrien und dem Irak. Gefährlich sind auch die Provinzen in denen die türkische Armee mit der PKK kämpft.

Falls du also in folgende Provinzen und Städte eine Reise planst, solltest du dir das eventuell anders überlegen: (Alle Regionen liegen direkt an der Grenze zu Syrien und dem Irak.)

  • Im speziellen warnt das Auswärtige Amt vor den Städten Diyarbakır, Mardin, Cizre, Silopi und Nusaybin und den Provinzen Şırnak und Hakkâri.
  • Zudem sind die Provinzen: Hatay, Kilis, Gaziantep, Sanliurfa, Mardin, Diyarbakır, Batman, Bitlis, Bingöl, Siirt, Mus, Tunceli und Van betroffen.

Ich halte die Angaben des Auswärtigen Amt immer im Beitrag „Reisewarnung Türkei – Ist mein Urlaub sicher?“ aktuell. Abgesehen von anderen Neugkeiten und Beiträgen halte ich die Abonenten in meinem Türkei Newsletter zu Änderungen der Sicherheitslage nach Möglichkeit am Laufenden.

Was ist mit Antalya, der Türkischen Riviera, Side, Alanya, Bodrum, Istanbul, Kappadokien, …?

Ich zeige dir dafür als erstes diese Karte. Am rechten Rand findest du die betroffenen Provinzen. Links siehst du Antalya, Istanbul, …

Karte der Sicherheitslage in der Türkei. Die Gebiete von denen nicht abgeraten werden sind grün gefärbt. Die eher unsicheren Regionen an der Grenze zum Irak und Syrien sind orange. Die direkten Grenzgebiete zu Syrien sind rot eingefärbt.

Karte der Sicherheitslage in der Türkei. Lizenz: Gov.uk unter der Open Government Licence v3.0

Eine der am nächsten zu Antalya gelegenen Städte ist Iskenderun. Der Routenplaner von Google Maps gibt folgende Entfernung und Fahrtzeit zwischen den beiden Städten an: 770 Kilometer in 8 Stunden und 50 Minuten Fahrtzeit.

Die Türkei ist größer als Deutschland. Um dir die Entfernungen zwischen den Krisengebieten und den Touristenregionen zu verdeutlichen:

  • Gaziantep – Antalya: 833 Kilometer mit einer Fahrtzeit von 10 Stunden
  • Diyarbakir – Antalya: 1.133 Kilometer, 13 Stunden
  • Cizere – Antalya: 1.291 Kilometer, 14 Stunden
  • Cizere – Istanbul: 1.604 Kilometer, 18 Stunden
  • Berlin – Wien: 680 Kilometer, 8 Stunden
  • Berlin – Paris: 1.055 Kilometer, 10 Stunden
  • Berlin – Kiew: 1.347 Kilometer, 15 Stunden
  • Hamburg – München: 775 Kilometer, 7 Stunden

Ich verbringe selbst die meiste Zeit in der Provinz Antalya. Genauer in Alanya. Die gesamte Provinz ist NICHT in der Liste der gefährdeten Gebiete des Auswärtigen Amtes oder der türkischen Polizei enthalten.

Die Syrische Grenze ist von Antalya 800 Kilometer entfernt!

Damit du einen Eindruck davon bekommst, wie weit 800 Kilometer auf der Landkarte sind: Das ist die selbe Entfernung wie zwischen Berlin und Budapest! Dazwischen liegt Tschechien, die Slowakei und Österreich!

Das ist wirklich weit!

Trotz alledem: Es kann etwas passieren. Das Auswärtige Amt mahnt derzeit zu einer erhöhten Vorsicht in der gesamten Türkei. Abgeraten wird aber nur von Reisen in den Osten der Türkei!

Abgeraten wird NICHT von den Touristenregionen:

  • Der Provinz Antalya mit der Türkischen Riviera und Lykischen Küste,
  • Provinz Mugla mit der Türkische Ägäisküste und Marmarisküste,
  • Kappadokien und
  • Istanbul.

Spiele selbst ein wenig mit den Landkarten herum. Du wirst schnell bemerken, wie weit die Ägäisküste und die Türkisküste von den Grenzen zu Syrien und dem Irak entfernt sind.

Aber es ist etwas in Istanbul und Ankara passiert!

Ja! In Istanbul ist in den vergangenen Monaten am meisten passiert. Ich habe in „Reisewarnung Türkei“ die Medienberichte zu allen relevanten Ereignissen gesammelt. Darin kannst du alles der Reihe nach lesen.

Istanbul und Ankara sind leider durch den IS und die PKK gleichermaßen betroffen. Ankara ist als Hauptstadt der Türkei natürlich der Brennpunkt. Das hat sich durch den Anschlag im Herbst mit mehr als 100 Toten und dem Anschlag vom 17.02.2016 auf einen Militärkonvoi gezeigt.

Das Auswärtige Amt warnt derzeit davor an Demonstrationen oder größeren Menschenansammlungen in Ankara teilzunehmen.

Vergangene Anschläge in der Türkei

Ich bin einen Monat nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo in Paris gewesen. Für uns in Mitteleuropa ist so etwas ein vollkommenes Ausnahmegeschehnis. Dementsprechend haben die Medien reagiert.

Die Türkei lebt seit den 70er Jahren mit Terroranschlägen. Bis 2014 hat es mehr als 3000 Anschläge gegeben. Darunter sind Mordanschläge, bewaffnete Überfälle und Angriffe gegen die Polizei und das Militär.

Wichtig zu wissen ist:

Die Anzahl der Anschläge hat in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen!

Ihren Höhepunkt haben sie 1992 im Konflikt mit der PKK erreicht.

Die Medien tragen ihren Teil zur Angst bei

Medien leben von ihren Leser- und Zuschauerzahlen. Außergewöhnliche Nachrichten bringen viele Leser und Zuschauer. Umso außergewöhnlicher eine Nachricht ist, desto mehr Aufmerksamkeit erzeugt sie.

2015 sind in Deutschland 3.475 Menschen an den Folgen eines Autounfalls gestorben. Kein einziger davon hat es in alle Schlagzeilen der Medien gebracht.

Ein Terroranschlag ist etwas seltenes. Er ist sogar etwas sehr Außergewöhnliches. Deswegen kommt er auf alle Titelblätter. Menschen reagieren auf solche Nachrichten. Sie machen uns emotional betroffen.

Dinge die laufend passieren, werden von uns anderes wahrgenommen. Oder wann hast du das letzte Mal daran gedacht, dass 3.475 Menschen in Deutschland nach einem Verkehrsunfall verstorben sind? Im Gegensatz dazu sind seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 weniger als 20 Deutsche durch einen islamistischen Terroranschlag ums Leben gekommen.

Die Angst vor dem Irrationalen: „Catastrophic Thinking“ oder „Fear Porn“

Eine starke Reaktion auf solche außergewöhnliche Ereignisse wird „Katastrophen Denken“ (Catstrophic Thinking) oder „Fear Porn“ genannt. „Catastrophic Thinking“ ist eine: „Irrationale Angst vor einem Worst-Case-Szenario.“ Anstatt sich einen Augenblick zurückzulehnen, wird das große Gesamtbild ausgeblendet und nur noch ein kleiner Teil der Realtität wahrgenommen. Es gibt Milliarden Menschen auf diesem Planeten. Ihnen allen passieren in jeder Sekunde die verschiedensten Dinge. Die meisten davon sind an Belanglosigkeit kaum zu übertreffen.

Deswegen sind besondere Nachrichten notwendig: „Fear Porn“ bringt Einschaltzahlen!

„Fear Porn“ bringt Menschen dazu sich mit einer Thematik weiter auseinanderzusetzen.

„Fear Porn“ hat dich vermutlich dazu gebracht diesen Beitrag zu lesen. Und eventuell bringt er dich dazu noch viele andere Informationen zur Sicherheitslage in der Türkei zu suchen.

In eine andere Kerbe schlägt ein schon im Jänner erschienener Artikel: Den in der FAZ erschienenen Text „Jetzt erst recht!“ finde ich nach wie vor hervorragend.

Darin geht der Autor auf die subtile Angst vor einem Anschlag ein. Und auf ein anderes Thema: Mit dem Ausbleiben von Touristen hätte der IS das Ziel der Anschläge in Istanbul erreicht.

Kannst du nach den Anschlägen in die Türkei reisen?

Meine regelmäßigen Leser wissen, in welchen Teilen der Türkei ich in den letzten Wochen war: Antalya, Istanbul, Alanya, Kas, Demre, Pamukkale, Denizli, Cirali, ….

Ich werde meinen Sommer ganz normal verbringen. Mit einem Strandspaziergang am Morgen, Nachmittagen am Balkon mit Büchern und meinem Notebook in Reichweite, damit ich Beiträge für den Türkei Reiseblog schreiben kann.

Ich hoffe, dass damit deine Fragen beantwortet sind!

Im Endeffekt ist es deine Entscheidung ob du in die Türkei kommst. Sie kann dir niemand abnehmen.

Leserfrage: Was denkst du zur Sicherheitslage in der Türkei? Deine Meinung kannst du in der darunterliegenden Abstimmung und der Kommentarspalte am Ende der Seite mitteilen.

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