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Dolmus ist der Name für einen türkischen Minibus, der wie eine Art Sammeltaxi funktioniert.

Der Minibus fährt entlang festgelegten Routen und Fahrtzeiten. Entlang der Strecke hält der Dolmus normalerweise an beliebigen Orten, um Passagiere Ein- oder Aussteigen zu lassen.

In kleinen türkischen Städten ist er das wichtigste Nahverkehrsmittel.

Hier erkläre ich kurz, die Besonderheiten einer ersten Fahrt mit dem Dolmus und was dabei zu beachten ist!

7 Tipps für die erste Fahrt im Dolmus

1. Haltestellen

Dolmus Busse mit den angeschriebenen Haltestellen: Kumköy, Colakli und Evrenseki

Dolmus Busse in Side

Eigens ausgewiesene Haltestellen für einen Dolmus sind entlang der Routen in der Türkei selten. Nur an den Endhaltestellen, Busbahnhöfen oder wichtigen Orten gibt es eigens für den Dolmus reservierte Parkplätze.

Deswegen ist es ohne Kenntnisse der lokalen Buslinien oft schwer, vorab einen passenden Bus zu finden. Busse in den Touristenorten haben in der Regel die Fahrtrichtung oder das Endziel angeschrieben. In kleineren Dörfern steht darüber oft gar nichts am Bus.

Frage am besten Hotelmitarbeiter oder Einheimische welchen Bus du nehmen musst oder kannst. In den Badeorten an der Südküste geht das einfach und ohne große Probleme.

2. Einsteigen

Weißer Dolmus mit der Aufschrift "Bergama" an der Haltestelle

Dolmus aus Bergama „Pergamon“ nach Izmir

Gut. Du hast die Route entlang der Dolmus fährt gefunden oder kennst einen Parkplatz von dem aus sie losfahren.

Falls der Bus am Parkplatz steht, steige einfach ein.

Falls dir der Bus entlang der Straße entgegenkommt, winke ihm früh genug zu damit er anhält. Stelle dich dabei bitte an eine Stelle an der die Busfahrer ohne Probleme halten können.

3. Zahlen und Fahrpreis

Sitzplätze und Fahrer in einem Dolmus

Dolmus von Innen

Du zahlst im Dolmus immer in Bar mit türkischen Lira.

Eine Einzelfahrt innerhalb einer Stadt kostet je nach Region zwei bis vier türkische Lira. Die Busse fahren auch zwischen größeren Städten hin- und her. Die zweistündige Fahrt von Izmir nach Bergama kostet mit dem Dolmus zum Beispiel 15 türkische Lira.

Zahlen: In den Badeorten akzeptieren die Fahrer manchmal Euro, geben dir dafür aber einen schlechten Wechselkurs. Mit wiederaufladbaren Karten für den öffentlichen Verkehr, wie der Istanbulkart, kannst du den Dolmus nicht zahlen. Stattdessen gehst du zum Fahrer vor, gibst ihm das Geld und sagst ihm wo du aussteigen willst.

Leider sprechen nur wenige Dolmus Fahrer gut Englisch. Sage einfach den Namen deiner gewünschten Haltestelle, zum Beispiel „Manavgat Basar“, zwei drei Mal, dann versteht er dich.

Das ist für dich wichtig, da im Dolmus niemand die Haltestellen ansagt und sie auch nicht angeschrieben sind. Zum Aussteigen komme ich gleich noch.

4. Bitte während der ersten Fahrt hinten sitzen

Vierspurige Straße mit einem Dolmus und Autos

Dolmus auf der Straße von Side nach Manavgat

Setzte dich bitte bei der ersten Fahrt mit einem Dolmus möglichst weit nach hinten.

Der Grund dafür ist, dass Türken beim Einsteigen nicht zum Fahrer vor gehen, sondern das Geld anderen Passagieren zum Durchreichen geben.

Sie sagen dir in Türkisch an welcher Haltestelle sie aussteigen möchten und drücken dir das Geld in die Hand. Deine Aufgabe ist es das Geld zum Fahrer weiterzugeben oder falls dazwischen noch jemand sitzt, die Information weiterzuleiten.

Manchmal wandert die Information und das Geld dadurch am Weg vom hintersten Sitzplatz durch zehn Hände. „Stille Post mit Geld auf Türkisch“.

Falls du das gleich beim ersten Mal machen willst, schnapp dir einen Platz ganz vorne.

5. İnecek var! Aussteigen Bitte!

Bus und Straßenbahn in Bursa

Moderne Busse in der Innenstadt von Bursa

Du kannst entlang der Strecke überall aussteigen.

Feste Haltestellen sind für den Dolmus nur an sehr wenigen Orten markiert. Falls du außerdem kein markantes Ziel hast, ist es schwer den richtigen Ort zum Aussteigen zu finden.

Deswegen wiederhole ich mich noch einmal: Sag bitte dem Fahrer beim Einsteigen wo du aussteigen willst, wiederhole die Haltestelle einfach zwei oder drei Mal. Die Dolmus Fahrer verstehen dich so auch ohne ein einziges Wort Türkisch oder Englisch.

Frage alternativ andere Fahrgäste im Dolmus, dass sie dir die richtige Haltestelle sagen.

Merken! „İnecek var!“ Bedeutet so viel wie „Aussteigen Bitte“. Sage die beiden Worte, falls du entlang der Route aussteigen willst.

Früher gab es eigene Beifahrer, die dem Fahrer beim Kassieren halfen und die Haltestellen in Türkisch angesagten. Da sich das für einen Bus mit durchschnittlich zehn Passagieren in der Türkei auch nicht mehr rechnet, siehst du das nur noch sehr selten.

6. Dolmus Etikette

Passagiere steige in einen Dolmus ein

Dolmus aus Canakkale zu den Ruinen von Troja

Die Fahrt mit einem Dolmus ist abgesehen vom Zahlen, Ein- und Aussteigen nicht viel anders, als mit einem Bus in Deutschland.

  • Platz machen: Manche deinen Platz für alte Menschen, Menschen mit Behinderungen oder Passagiere mit Kleinkindern am Arm frei.
  • Rollstuhl und Kinderwagen: Dolmus Busse haben normalerweise kleine Rampen zum Ausklappen, damit Rollstuhlfahrer und Passagiere mit Kinderwagen leichter einsteigen können. Die Klappe machten die Passagiere nahe der Eingangstür auf.
  • Frauen: möchten manchmal nicht neben Männern sitzen. Ein kurzer Augenkontakt sagt dir ohne ein Wort Türkisch, ob der freie Platz wirklich frei ist.
  • Koffer ist kein Problem: in ländlichen Gebieten transportieren Türken alles mit dem Dolmus, wirklich alles! Ich habe schon Ziegen, Hühner und IKEA Regale gesehen.

7. Ein wenig Geschichte

Eine Bosporusfähre am Bosporus mit dem Galataturm im Hintergrund.

Der Dolmus war ein Vorgänger der Bosporusfähren

Das erste Mal tauchte der Begriff „Dolmus“ im 19. Jahrhundert in Istanbul auf. Damit waren Boote zur Überquerung der Bosporus-Meerenge gemeint.

Seit 1931 gibt es den Dolmus als Kleinbus oder Automobil. Wie schon bei den Booten waren sie zuerst in Istanbul unterwegs.

Früher gab es noch eine Reihe von Regelungen zum Fahrpreis und der Auswahl der Fahrer. So wurde zum Beispiel der Preis auf alle Mitfahrer im Bus aufgeteilt. Die Fahrer mussten verheiratet sein, über 25 und durften keinen schlechten Ruf haben.

Sechsspurige Straße in Izmir mit Gelenkbussen

Moderne Linienbusse in Izmir

In die heutigen Dolmus Minibusse passen rund 10 bis 20 Passagiere. Viele Busse sind individuell eingerichtet, da die Fahrer immer mit demselben Bus unterwegs sind. Ich habe einen Bus in Side gesehen, in dem der Fahrer Schwarzlichtröhren im Inneren verlegt hat.

In den großen Städten verschwinden die kleinen Busse immer mehr aus dem Straßenbild. Zum Beispiel hat sie die Stadt Antalya gegen große Busse ausgetauscht um den Verkehr in der Innenstadt zu reduzieren.

Fahre mit einem Dolmus!

Die Fahrt mit einem Dolmus gehört zu einer Reise in die Türkei dazu!

Schau dir einfach interessante Orte nahe deinem Hotel an und suche die bestmögliche Dolmuslinie um dort hinzugelangen.

Falls du noch eine Frage zur Fahrt mit einem Dolmus hast, dann schreibe mir untern in den Kommentaren!

Ich freue mich darauf, von dort zu hören!