Das Haus der Mutter Maria nahe den Ruinen von Ephesus ist eine der meistbesuchten Pilgerstätten der Türkei.

Christen und Muslime verehren das Haus in dem Maria, die Mutter von Jesus, bis zu ihrem Tod gelebt haben soll.

Hier zeige ich dir das Haus der Mutter Maria, das schon drei Päpste besucht haben.

Reise zum Haus der Mutter Maria nahe Kusadasi

Eingang des Haus der Mutter Maria in einem kleinen Park

Eingang des Haus der Mutter Maria

Das Haus der Mutter Maria steht auf einem Berg, direkt oberhalb den Ruinen der antiken Großstadt Ephesus. Eine asphaltierte Straße führt vom Nordeingang der Ruinen auf den Berg hinauf, du fährst etwa 15 Minuten von dort aus bis zum Parkplatz vor dem Haus der Mutter Maria.

Das Haus ist rund um Kusadasi und Selcuk eines der berühmtesten Ausflugsziele, dementsprechend voll ist der Ort in allen Jahreszeiten.

Normalerweise legen am Kreuzfahrthafen von Kusadasi jährlich mehr als 600 Kreuzfahrtschiffe mit 500.000 Reisenden an um Ephesus und das Haus zu sehen.

Die lokalen Reiseveranstalter haben Tagesausflüge aus bis zu 4 Stunden mit dem Bus entfernten Badeorten wie Bodrum im Angebot.

Eine Statue von Maria in einem Park

Statue von Maria „türk. Maryam“

Die Einheimischen besuchen das Haus der Mutter Maria auch gerne. Der Grund dafür ist, dass Maria die einzige im Koran namentlich erwähnte Frau ist. Dadurch nimmt sie im Islam eine besondere Stellung ein.

Mein erster Tipp an dieser Stelle ist, das Haus unbedingt am frühen Vormittag zu besuchen, da du zu dieser Zeit den Ort noch für dich alleine hast.

Steinhaus im nirgendwo und eine blinde Nonne aus Deutschland

Die Geschichte der Entdeckung des Hauses der Mutter Maria geht auf die blinde Nonne Anna Katharina Emmerick aus Deutschland zurück, die im 18. Jahrhundert lebte.

Katharina soll in vielen Visionen das Leben von Maria in Ephesus zusammen mit dem Apostel Johannes beschrieben haben. Darunter war auch eine detailierte Beschreibung der Lage des Hauses.

Alter mit einer Marienstatue und Blumen

Altar im Haus der Mutter Maria

Nebeneingang in dem das Bett von Maria gestanden haben soll.

Nebeneingang, in dem das Bett von Maria gestanden haben soll.

Der Schriftsteller Clemens Brentano besuchte die Nonne und fasste den Inhalt ihrer Visionen in seinen Aufzeichnungen und später in Büchern zusammen.

Im den Aufzeichnungen von Brentano steht, der Apostel Johannes sei mit Maria nach Ephesos gezogen und habe mit ihr ein Haus bewohnt, von dem aus man auf das Meer sehe. Hier sei Maria auch begraben worden und man soll das Grab eines Tages finden.

Die Bücher gelangten über Umwege nach Smyrna, dem heutigen Izmir.

Suche nach dem Haus

Die Initiative für die Suche nach dem Haus ging von der französischen Adligen und Vinzentinerin Adele Marie de Mandat-Grancey aus. Sie war zu dieser Zeit die Oberin des französischen Marienkrankenhaus in Smyrna.

Ihrem Beichtvater, dem zum Lazariter Orden gehörenden Pater Henri Jung erzählte sie vom Buch Brentanos und der Beschreibung des Hauses.

Haus ist von Bäumen überwachsen.

Das Haus steht in einem kleinen Park

Der aus dem Elsass stammende Pater brach daraufhin auf Drängen von Adele Marie de Mandat-Grancey mit einer fünfköpfigen Gruppe nach Ephesus auf.

Sie suchten zusammen mit einheimischen Führern auf dem beschriebenen Hügel oberhalb der Ruinen nach dem Haus. Tatsächlich fanden sie Ruinen eines Steinhaus an der Stelle, die schon die Nonne in Deutschland beschrieben hatte.

Eingang zum Marienhaus, wie er am 29. Juli 1891 von den Entdeckern vorgefunden wurde.

Eingang zum Marienhaus, wie er am 29. Juli 1891 von den Entdeckern vorgefunden wurde. By Henri Jung (1843-1912) [Public domain], via Wikimedia Commons

Adele Marie de Mandat-Grancey kaufte nach Verhandlungen mit der Osmanischen Regierung das Gelände im November 1892 mit dem von ihrer Familie geerbten Vermögen. Sie ließ die Ruinen unter Leitung von Pater Jung wieder herrichten.

Seitdem ist das Haus der Mutter Maria einer der wichtigsten Wallfahrtsorte für Christen in der Türkei.

Drei Päpste besuchten das Haus bereits

Die Katholische Kirche erkennt das Haus der Mutter Maria als den Ort an, an dem sie in Ephesus gelebt haben soll.

Eine Archäologin in Ephesus erzählte mir die Geschichten, weshalb die Katholische Kirche denkt, dass es sich bei den Ruinen tatsächlich um das Haus der Mutter Maria handelt.

Sie stützen sich vor allem auf die Geschichten in der Gegend rund um Ephesus zum Leben von Maria. Die Einwohner des kleinen Dorfs Sirince erzählen zum Beispiel, dass Maria dort in den Himmel aufgefahren sein soll. Eine Marienstatue und eine christliche Kirche im Zentrum des Dorfes erinnern daran.

Marienstatue und Wunschbrunnen auf einem kleinen Platz

Marienstatue und Wunschbrunnen vor der Kirche in Sirince

Die Gegend rund um Izmir „Smyrna“ wurde auch zur Zeit des Osmanischen Reichs noch von einer großen Anzahl christlicher Griechen bewohnt. Sie nannten den Hügel auf dem das Haus steht Panaghia. Den Namen gaben sie nur Orten, die im Zusammenhang mit Maria gestanden haben sollen.

Johannes und Maria in Ephesus

Der Apostel Johannes soll Erzählungen nach zusammen mit Maria nach Ephesus gezogen sein. Die Bibel gibt darauf auch Hinweise, da darin steht, dass Johannes Maria wie seine Mutter ansehen soll. Es läge aus diesem Grund nahe, dass sie mit ihm nach Ephesus gegangen ist.

Ein wichtiger Ort für Christen ist die Johannes Basilika mit dem Grab des Apostels Johannes im 8 km vom Haus entfernten Selcuk. Die Basilika wurde vom Byzantinischen Kaiser Justinian in Auftrag gegeben, der auch die Hagia Sophia in Istanbul errichten ließ.

Zitadelle und Moschee in Selcuk

Zitadelle in Selcuk, daneben steht die Johannes Basilika

Drei Päpste haben das Haus der Mutter Maria in der Vergangenheit bereits besucht, darunter ist Johannes Paul II. und Benedikt XVI.

Im Ruinenfeld von Ephesus befinden sich außerdem die gut erhaltenen Rest der ersten bekannten Marienkirche. Sie stammt aus der Regierungszeit von Kaiser Konstantin im 4. Jahrhundert. In der Kirche fand 431 das Konzil von Ephesus statt, während dem Maria zur „Gottesgebärerin“ ernannt wurde.

Blick vom Römischen Theater auf Ephesus

30.000 Sitzplätze, das römische Theater in Ephesus

Zur Zeit des Konzils soll es üblich gewesen sein, Kirchen nur nach Personen zu benennen, die tatsächlich an dem Ort gelebt hatten. Die christlichen Kirchen und Muslime sehen diese Zusammenhänge als Beweis an, dass Maria tatsächlich in Ephesus lebte.

Meryem ana evi, auch ein wichtiger Ort für Muslime

Brunnen am Haus der Mutter Maria in der Türkei.

Den drei Brunnen wird eine Heilwirkung nachgesagt

Maria ist als Mutter der Propheten Īsā ibn Maryam – wie Jesus im Koran genannt wird – die einzig namentlich erwähne Frau im gesamten Buch.

Dadurch hat ihr Wohnort auch für Muslime eine wichtige Bedeutung.

Die Einheimischen denken, dass ein Besuch des Hauses besonders armen kranken Menschen helfen kann. Dem Wasser aus den Brunnen neben dem Haus sagt man außerdem eine gewisse Heilwirkung nach. Die Reiseführer erzählen gerne Regeln, nach denen du das Wasser aus den drei Leitungen trinken sollst. Manche sollen zum Beispiel für Glück, andere für Kinder sorgen.

Tausende Zettel hängen an einer Wand

Hier erfüllen sich Wünsche

Eine nicht muslimische aber in der Türkei weit verbreitete Tradition ist es an bestimmten Orten Wünsche aufzuschreiben und an Wände zu hängen. Dafür ist beim Haus der Mutter Maria eine ganz eigene Wand reserviert.

Teils bereiten sich die Besucher darauf vor oder sie verwenden einfach irgendein Papier, dass sie in der Nähe finden.

Die Wünsche stehen hauptsächlich in Türkisch, manchmal in Englisch, Deutsch oder sogar Japanisch auf den kleinen Zetteln an der Wand.

Du findest darauf ernste und teils unterhaltsame Wünsche. Dazu gehört zum Beispiel Gesundheit, Geld, Kinderwünsche oder 100.000 Instagram-Follower.

Haus der Mutter Maria: Pilgerstätte für Christen und Muslime in der Türkei

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