Höhlenstädte findest du in der Türkei überall in Zentralanatolien.

Die dafür mit Abstand berühmteste Region ist Kappadokien, zurecht wegen seiner größten und schönsten Höhlenstädte wie Derinkuyu, Kamakyli und Özkonak.

Dabei gibt es in vielen anderen Regionen der Türkei ähnliche Höhlenbauwerke, zum Beispiel rund um die Ruinen von Ani nahe Kars.

Meine Tipps für eine Reise zu den unterirdischen Monumenten in der Türkei, in Kappadokien und anderen Regionen habe ich hier gesammelt.

1. Kellerwand abgerissen, Höhlenstadt gefunden!

"Rundtüre in der Höhlenstadt Kaymakli"

„Verschlusstüre in der Höhlenstadt Kaymakli“

1963 arbeitet ein Mann in Derinkuyu in seinem Keller und entdeckte einen Raum hinter einer Wand. Dahinter befand sich noch ein Raum der schließlich in ein ganzes Labyrinth von Höhlengängen hinunterführte.

Seitdem sagen die Einheimischen, dass man in Kappadokien nie weiß, was sich unter dem eigenen Haus ist. Die Geschichte von Derinkuyu wiederholte sich bisher dutzende Male.

In ganz Kappadokien ist es heute möglich die teils 20 Stockwerke tiefen und 3.5000 alten Bauwerke zu besichtigen

Hier zeige ich dir als nächstes die schönsten Höhlenstädte in Kappadokien und gehe danach noch auf die Höhlenarchitektur im Rest der Türkei ein, mit Reisetipps.

2. Welche ist die schönste im ganzen Land? – Derinkuyu, Kaymakli oder Özkonak?

Derinkuyu, Kaymakli und Özkonak sind die drei meistbesuchen und bekanntesten Höhlenstädte in der Türkei.

Özkonak ist mit 19 Stockwerken und ehemals mehr als 10.000 Einwohnern die tiefste zugängliche Höhlenstadt. Tiefer ist nur noch eine 2015 unter einer byzantinischen Festung in Nevsehir entdeckte Stadt. Geologen gehen davon aus, dass sie 113m unter die Erde reicht.

In Kaymakli lebten zwischen 3.000 bis 30.000 Menschen. Sie ist eine der verwinkeltsten der 36 bisher entdeckten Höhlenstädte in Kappadokien.

Raum in der Höhlenstadt Kaymakli mit Ablageflächen

„Lebensmittellager in Kaymakli“

Derinkuyu ist das Aushängeschild unter den Höhlenstädten in Kappadokien. Sie war die erste zugängliche Stadt und begeistert zum Beispiel mit der 25 mal 10 Meter großen Kleeblattkirche im siebten Stockwerk unter der Erde.

Ich habe einen Archäologen, der seit Jahrzehnten deutsche Reisegruppen durch Kappadokien führt, zu den schönsten Höhlenstädten gefragt. Er meinte, dass für ihn Kaymakli die interessanteste Stadt ist, weil die Räume am spannendsten und größten sind. Der Empfehlung schließe ich mich an.

Kaymakli und Derinkuyu sind das Hauptziel der geführten Ausflüge zu den Höhlenstädten. Einige Kappadokien Rundreisen haben auch Özkonak im Angebot. Eine Übersicht der möglichen Führungen findest du bei Getyourguide.

3. Indivuduell oder mit einer Führung zu den Höhlenstädten Reisen?

"Zwei Zimmer Wohnung mit Wandschrank" in einer Höhlenstadt

„Zwei Zimmer Wohnung mit Wandschrank“

Die Option kommt praktisch gesehen nur für die Höhlenstädte in Kappadokien in Frage. Zu den anderen in der Türkei komme ich noch.

Meine Empfehlung dazu ist: „Ja, besichtige die Höhlenstädte möglichst mit einer Führung.“ Es ist absolut beeindruckend alleine durch die Höhlengänge zu spazieren und die Räume zu erkunden, dabei fehlt aber sehr viel Wissen.

Ein unscheinbarer Stein am Boden kann zum Beispiel eine Geschichte über das Kochen in den Höhlenstädten erzählen. Andere Stellen zeigen dir wie man Wein in den Höhlenstädten gekeltert und aufbewahrt hat.

Ein unscheinbares Loch entpuppt sich als Ventilationsschacht, der hinauf an die Oberfläche und 14 Stockwerke nach unten führt….

Schmaler Ventilationsschacht geht 14 Stockwerke nach unten

„20 Mal 50 cm: Hier geht es 14 Stockwerke nach unten!“

Gute Reiseführer oder zumindest die gegen ein paar Lira am Eingang erhältlichen Audioguides hauchen den Höhlenstädten ein ganz anderes Leben ein.

Falls du die Höhlenstädte individuell erkunden willst, dann frage im Hotel gut nach den Routen der Dolmus Busse zu den Höhlenstädten und wie du zurückkommst oder miete ein Auto. Der öffentliche Verkehr in Kappadokien ist leider nicht der beste in der Türkei.

Denke außerdem daran, dass du in den öffentlichen Bussen und am Eingang staatlicher betriebener Sehenswürdigkeiten nur mit türkischen Lira zahlen darfst. So wechselst du ohne Gebühren Euro in türkische Lira.

4. Höhlenkirchen und Klöster!

Eingang des Göreme Nationalpark

„Göreme Nationalpark mit dutzenden Höhlenkirchen“

Höhlenstädte haben wir schon!

Gut! Dann bauen wir doch Hunderte Höhlenkirchen! Das geht in Kappadokien zum Glück sehr einfach. Du kannst an manchen Stellen sogar mit deinen bloßen Händen den aus Vulkangestein geformten weichen Tuffstein wegkratzen.

Die heute schönsten und restaurierten Höhlenkirchen findest du im zum UNESCO Welterbe gehörenden Göreme Nationalpark und im Ihlara Tal.

Die Höhlenkirchen in Göreme sind zu einem großen Teil restauriert, du siehst dort die schönsten Fresken aus der Byzantinischen Zeit. Die einzelnen Höhlenkirchen sind außerdem nur jeweils 10m zu Fuß voneinander entfernt.

Im Ihlara Tal wanderst du in einer Schlucht zwischen den Höhlenkirchen hin und her. Dazu komme ich noch.

5. Festung Uchisar und Ortahisar

"Festung Uchisar" mit Ausblick auf die Landschaft

„Höchster Punkt in Kappadokien, Festung Uchisar“

Höhlenstädte und Höhlenkirchen haben wir schon. Da ist doch der Gedanke an eine Höhlenfestung eine gute Idee?

Einer der höchsten Punkte in ganz Kappadokien ist der Felsen über dem kleinen Dorf Uchisar. Daraus machten die Menschen zur Zeit der Römer eine eigenen Höhlenfestung.

Für mich ist die Festung eines der absoluten Highlights in Kappadokien, die du nicht versäumen darfst. Sie ist einer der schönsten Aussichtspunkte und gehört zu den Wahrzeichen der Landschaft.

Außerdem findest du in Uchisar noch viele andere interessante Höhlenbauwerke, zum Beispiel ein Höhlen-Cafe.

6. Yapadapadu! Heute noch bewohnte Höhlenwohnungen!

Mit Teppichen ausgekleidete Sitzecke in einem Höhlen-Cafe

„Sitzecke im Peri Cafe Cave Man“

Yapadapadu ist die typische Begrüßung von Recep im Peri Cafe Cave Man. Im gehört ein sogenannter Feenkamin unterhalb der Festung in Uchisar.

Feenkamine sind spargelförmige Felskamine die im Laufe von Millionen Jahren durch Erosion entstanden. In den Feenkamine haben die Menschen schon vor mindestens 2.000 Jahren ihre Wohnungen hineingehauen.

Receps Feenkamin soll seit 1.600 Jahren bewohnt sein. Und er hat daraus ein „Cave Cafe“ gemacht, was dir ermöglicht sein Haus zu besichtigen. Insgesamt fünf Stockwerke hoch ist sein Feenkamin und jedes Stockwerk hat seine Eigenarten.

Ganz oben darfst du gemütlich auf türkischen Teppichen sitzen und einen Cay trinken, am Abend auch Raki. Hier habe ich mehr über Receps Höhlenhaus in Kappadokien geschrieben.

7. Schlaf in deiner eigenen Höhle!

Eingang von Höhlenwohnungen in Ürgüp

„Höhlenwohnungen in Ürgüp“

Die Krönung des Höhlenerlebnisses in Kappadokien ist eine Übernachtung in einem eigenen Höhlenzimmer. Keine Sorge – das geht für jedes Budget.

In Göreme findest du günstige Höhlenjugendherbergen und 5 Sterne Höhlenhotels mit einem eigenen Jacuzzi im Höhlenzimmer. Hier ist eine Liste mit den besten 5 Sterne Höhlenhotels in Kappadokien.

Meine drei Empfehlungen für jedes Budget:

5 Sterne Sultan Cave Suites: fantastische „Instagram-Aussicht“ am Morgen auf die Ballons, süßer Hotelhund, Höhlen-Suiten und hervorragenden Bewertungen.

4 Sterne Yusuf Yigitoglu Konagi: familiengeführtes Höhlenhotel in Ürgüp.

Mithra Cave Hotel: Höhlenzimmer, grandioser Ausblick von der Hotelterrasse und ausgezeichnete Rezensionen machen das Mithra Cave in Göreme zu einem der beliebtesten Höhlenhotels.

8. Höhlenland Türkei

Eingang von Höhlenbauwerken

„Höhlenstadt im Dorf Mahkemeagcin in Kizilcahamam bei Ankara“

Ich habe es schon erwähnt – Höhlenstädte findest du in ganz Zentralanatolien.

Bei meiner ersten Reise nach Kappadokien dachte ich auch noch, dass es sie nur dort gibt. Ich habe in den letzten Jahren viele Orte besucht, in denen es ähnliche Bauwerke gibt.

Ich war zum Beispiel gerade in der Provinz Ankara und habe das Äußere einer Höhlenstadt in Kicilcehamam-Mahkemeagcin und Beypazari gesehen. Leider ist es derzeit noch nicht möglich das Innere der Höhlenstädte zu besichtigen.

Die spannendsten Höhlenbauwerke außerhalb von Kappadokien findest du in Kars. Die Schluchten rund um die Ruinen der aus dem 1. Jahrtausend stammenden Hauptstadt des Armenischen Königreichs sind von Höhlenkirchen, Gängen und anderen Bauwerken umgeben.

Teilweise eingestürzte Höhlenkirche mit einem Kreuz

„Teilweise eingestürzte Höhlenkirche in Mahkemeagcin“

Hüyük ist eine zugängliche Höhlenstadt zwischen Ankara und Cankiri. Dulkadirli Inlimurat ist eine Höhlenstadt  nahe Kirsehir. Du findest bei Google noch viele andere, suche einach nach „Yeraltı Şehri.“

Archäologen gehen davon aus, dass es in der Türkei bis zu 200 dieser Höhlenstädte gibt. Sie stoßen nach wie vor auf neue Höhlenbauwerke.

Die Art der Höhlen-Architektur ist auch außerhalb der Türkei verbreitet. Es gibt die Höhlenstädte Wardsia und Uplisziche in Georgien, Kandovan im Iran, Cufut Qale auf der Krim oder Matera in Italien. Kappadokiens Höhlenstädte sind trotzdem weltweit einzigartig. Du sagst jetzt vielleicht: „Klar, der schreibt hier über die Türkei…“

Der Grund ist einfach. Kappadokiens Höhlenstädte sind am ältesten, größten und weitläufigsten. Dazu kommen tausende andere Höhlenbauwerke in der märchenhaften Landschaft.

Das siehst du ganz besonders in den Schluchten von Kappadokien…

9. Tausende Höhlenbauwerke! Schluchten, Wandern und Höhlenwohnungen!

Spaziere entlang den Wanderwegen durch die Schluchten von Kappadokien, zum Beispiel im Rose Valley. Du hast dort die Möglichkeit alle paar Meter in eine ungesicherte Höhlenwohnung oder Kirche hineinzugehen.

Archäologen schätzen, dass bis in 11. Jahrhundert 3.000 Höhlenkirchen entstanden sind. Die Universitäten haben keine Chance alle Eingänge zu sichern oder gar zu erkunden. Davon gibt es viel zu viele.

Die Wanderwege sind gut befestigt, dauern nicht lange und zeigen dir die Vulkanlandschaft mit ihren Höhlenbauwerken noch  viel besser. Falls du magst, gibt es geführte Touren mit Pferden oder Quads durch Kappadokiens Schluchten.

Abgesehen vom Rose Valley ist das Ihlara Valley noch eine Empfehlung! Darin führt ein Wanderweg entlang dem Fluss zu einigen der schönsten Höhlenkirchen in Kappadokien. Es sind in Summe mehr als 50 Stück mit gut erhaltenen Fresken.

Wegstation am Weg ins Rose Valley

„Station am Weg ins Rose Valley“

Die Höhlenkirchen nutzten einheimische Griechen noch bis zum Ende des 1. Weltkriegs. Damals betrug der Christenanteil in Anatolien noch rund 20%. Das änderte sich durch den Griechisch-Türkischen Krieg 1923 und dem Bevölkerungsaustausch.

Das früher mehrheitlich griechisch bewohnte Mustafapasa „Sinasos“ ist mit seinen traditionellen Bauwerken und Kirchen gerade deswegen ein beliebtes Ausflugsziel.

Ein Geheimtipp ist das Zelve Museum.

Das seit einem Erdbeben in den 1950er Jahren verlassenes Dorf zeig wie lange die Höhlenarchitektur in Kappadokien ganz normal war. Das gesamte Dorf ist heute ein großes Freilichtmuseum mit Höhlenwohnungen und anderen gut erhaltenen Bauwerken!

10. Hethiter und die frühen Christen in den Höhlenstädten der Türkei

Auf einem Baum hängen "Türkisches Auge" Amulette, dahinter sieht man Feenkamine und im Hintergrund den schneebedeckten Gipfel des Vulkan Erciyes Dagi.

„Landschaft bei Uchisar mit bewohnten Feenkaminen“

Sicher ist, dass die frühen Christen Höhlenstädte in Kappadokien in der Zeit des Byzantinischen und Römischen Reichs genutzt haben. Beweise? Sie haben Kirchen, Kapellen und ganze Klöster in den Stein gehauen. Das erkennst du in den Höhlenstädten an den allgegenwärtigen Gebetsnischen.

Die Höhlenarchitektur hat sich nach dem Ende der Byzantiner 1453 bis heute in Kappadokien erhalten. Dörfer wie Uchisar sind noch immer bewohnt. Heute bauen Firmen Höhlenwohnungen sogar relativ schnell für eine entsprechende Summe.

Wie alte die Höhlenstädte in Kappadokien genau sind, lässt sich schwer sagen. Archäologen gehen davon aus, dass sie bis auf die Zeit der Hethiter vor 3.500 Jahren zurückgehen. Die Hethiter waren die erste Hochkultur in Zentralanatolien. Die Ruine ihrer Hauptstadt Hattusa steht nahe Corum, rund 100km östlich von Ankara.

Bonus Must Do! Kappadokien mit einer Ballonfahrt Erkunden!

Dutzende Ballons am Himmel über Kappadokien am Morgen

„150 Ballons sind gleichzeitig erlaubt“

Bilder aus Kappadokien zeigen immer die Ballonfahrten zum Sonnenaufgang über der fantastischen Märchenlandschaft.

Kurz vor Sonnenaufgang steigen täglich bis zu 150 Ballons in Kappadokien auf. Sie erreichen pünktlich zum Sonnenaufgang 2.000m Seehöhe und lassen dich dadurch den neuen Tag in einer ganz anderen Perspektive erleben. Du siehst durch die steigenden und sinkenden Ballons den Sonnenaufgang gleich mehrmals!

So lange hast du die aufgehende Sonne mit Sicherheit noch nirgendwo gesehen. Dazu kommt der Ausblick auf Kappadokien aus dem Korb eines Ballons und die umliegenden Berge, zum Beispiel auf den 3.914m hohen Vulkan Erciyes Dagi.

Die Ballonfahrten sind ein Erlebnis, dass du auf keinen Fall auslassen solltest. Es gibt die Gelegenheit die Höhlenlandschaft Kappadokiens aus einem ganz anderen Winkel zu sehen. Nur 3 Stunden später geht es vielleicht schon in einer Höhlenstadt 10 Stockwerke unter die Erde…

Reise zu den Höhlenstädten

Ich habe einen eigenen Guide zu Kappadokien geschrieben, er enthält alle wichtigen Informationen.

Dazu gehören andere Sehenswürdigkeiten in Kappadokien, die Anreise, Flughafen, gute Hotels, regionale Küche, gute Restaurants…

Kurz und gut – das ist der vollständige Reiseführer für eine Reise nach Kappadokien.

Falls du trotzdem noch Fragen hast, dann schreibe mir eine Nachricht in den Kommentaren.

Ich freue mich darauf von dir zu hören – und von deinen Erlebnissen in den Höhlenstädten von Kappadokien!

Höhlenstädte in der Türkei: 10 Reisetipps zu den 3.500 Jahre alten Monumenten

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